Ein kleines Herz für morgen
Das Herz war zu groß. Das sagten alle, und alle hatten recht. Es passte nicht in die Tasche, nicht unter den Arm und schon gar nicht in eine Höflichkeitsfloskel.
Trotzdem trug er es. Bergauf, weil der Weg nun einmal bergauf ging, und in Schleifen, weil gerade Wege in dieser Gegend nicht vorgesehen sind. Nach der dritten Kehre hörte er auf zu zählen.
Ein Herz zu verschenken ist einfach. Es hinzutragen ist die Arbeit.
Unterwegs begegneten ihm Leute, die ihm erklärten, wie viel leichter es wäre, das Herz einfach abzustellen. Man könne es später holen. Man könne auch etwas Kleineres besorgen. Es gebe Herzen in praktischen Größen, sagte einer, mit Griff.
Er bedankte sich jedes Mal. Das kostete ihn ungefähr so viel Kraft wie zehn Meter Steigung.
Manchmal reicht ein kleines Zeichen,
um den
Tag von jemandem zu verändern.
Oben angekommen war niemand da. Das kommt vor. Er setzte sich auf den Stein, der genau dafür dort zu liegen schien, und stellte das Herz neben sich, wo es im letzten Licht leuchtete wie etwas, das man nicht selbst gemacht hat.
Am nächsten Morgen war es weg. Kein Zettel, kein Dank, nichts. An seiner Stelle lag ein zweites, etwas kleineres Herz, ordentlich in ein Taschentuch gewickelt, und daneben eine Wegbeschreibung.
Er hat sie eingesteckt und ist losgegangen. Bergauf natürlich.